Kaby Lake – Intel Core i7-7Y75 im Test

Intel Core i7-7Y75. Intels 7. Prozessorgeneration (Core) hört auf den Code-Namen „Kaby Lake“ und wurde Anfang September 2016 offiziell veröffentlicht. Die getestete Intel Core i7-7Y75 gehört zu den Modellen mit einer besonders niedrigen Verlustleistung (TDP) von 4,5 Watt. Welche Performanceunterschiede man im Vergleich zu den 15-Watt-CPUs der Familie und einer Auswahl konkurrierender Prozessoren erwarten kann, zeigt dieser Test.

Bereits getestete Prozessoren der Intel Kaby-Lake-Familie

Der "Intel Core i7-7Y75 musste bereits im Dell XPS 13 2-in-1 (9365) bei Notebooks & Mobiles zeigen, wie hoch die Leistungsausbeute in der Praxis tatsächlich ausfällt. Ob die theoretisch mögliche Performance abgerufen werden kann, hängt wie so oft von der konkreten Konfiguration und dem eingesetzten Kühlkonzept ab. Hohe Taktraten werden nur dann dauerhaft abgeliefert, wenn die Kühlkomponenten möglichst effektiv die Abwärme aus dem Gehäuse führen können. Da hier kein Lüfter zur Verfügung steht, muss das über Heatpipes und das Notebookgehäuse erfolgen.

Intel Core i7-7Y75: Auszug der technischen Daten
  • Intel Core i7-7Y75
  • 14 nm Fertigungsprozess
  • 2 Kerne, 4 Threads
  • 1,3 GHz – 3,6 GHz Prozessortakt
  • 4 MB SmartCache
  • 4,5 Watt TDP

Ausführliche Produktdetails auf der Herstellerseite

Unterschiede zwischen Skylake und Kaby Lake

Die Veränderungen zur Vorgänger-Generation fallen auf den ersten Blick relativ gering aus. Etwas erhöhte Taktraten, ein paar neue Videoencoderfunktionen inklusive eingebetteter 4K- und HEVC-Unterstützung und natürlich ein neuer Name. Unter der Haube hat Intel weiter am Fertigungsprozess und damit an der Effizienz geschraubt.

Sollte bedeuten: Mehr Leistung bei gleichem Verbrauch und gleicher Abwärme. Oder weniger Verbrauch und Abwärme bei gleicher Last/ Performance. Um hier, die für den jeweiligen Einsatzbereich optimale Systemkonfiguration anbieten zu können, gesteht Intel den Geräteherstellern weitreichende Eingriffsmöglichkeiten zu.

Die Thermal Design Power (TDP) beträgt standardmäßig 4,5 Watt, kann aber je nach Notebookkonzept auf bis zu 3,5 Watt abgesenkt oder auf bis zu 7 Watt angehoben werden. Damit haben die Hersteller zum Beispiel direkten Einfluss auf die Parameter Leistung, Wärmeentwicklung und Stromverbrauch. In der Regel verzichten die Entwickler bei dieser CPU auf ein aktives Kühlsystem mit Lüfter. Die Abwärme wird alternativ durch wärmeleitende Komponenten über das Gehäuse nach aussen geleitet.

Intel Core i7-7Y75: Prozessorgrafik Intel HD Graphics 615

Die Intel HD Graphics 615 erreicht nicht ganz die Leistungsfähigkeit der Intel HD Graphics 620, bietet aber bereits wichtige Eigenschaften, um bei vielen Einsatzszenarien eine gute Figur abgeben zu können. 4k-Displays (3.840 x 2.160 Bildpunkte) können mit 60 Hz angesteuert werden und wichtige Videotechnologien inklusive Intel Quick Sync Video werden unterstützt. Leistungsfordernde 3D-Anwendungen wie Spiele oder Konstruktionssoftware machen mit dieser Lösung dagegen keinen Spaß.

Für die Grafikleistung ist zudem entscheidend, ob die im Prozessor integrierte Intel HD Graphics 615 auf eine leistungsfähige RAM-Konfiguration zurückgreifen kann. Mangels dediziertem Grafikspeicher muss die Intel HD Graphics 615 im Shared-Memory-Verfahren auf den Arbeitsspeicher zurückgreifen und ist in der Folge direkt von dessen Leistung abhängig. Im Gegensatz zur Intel HD Graphics 620 kann die Intel HD Graphics 615 nur mit DDR3L-/LPDDR3-Speicher zusammenarbeiten.

Hier geht es zu den ausführlichen Tests der integrierten Grafikeinheiten:

Test Intel HD Graphics 615
Test Intel HD Graphics 620

Intel Core i7-7Y75: Rechenleistung (Single-Core/ Multi-Core)

Die Rechenleistung der Intel-Core-i7-7Y75-CPU reicht für viele Alltagsaufgaben gut aus. Textverarbeitung, Video-Streaming, Audio-Konvertierungen, Internetaufgaben oder Bildbearbeitung stellen hiermit ausgestattete Systeme kaum vor Probleme. Kommt jedoch Software zum Einsatz, die anspruchsvollere Aufgaben durch das gleichzeitige Abarbeiten mehrerer Threads bewältigt, fällt die Arbeitsgeschwindigkeit bereits unter optimalen Bedingungen deutlich niedriger aus, als die der potenteren 15-Watt-Prozessoren.

Im Vergleich mit Intel Core i5-7200U

Der Intel Core i5-7200U dürfte vermutlich einer der meist verbauten Kaby-Lake-Prozessoren sein und ist bereits in Notebooks für unter 500 Euro zu finden. Der Intel Core i7-7Y75 ist dagegen kaum in Geräten unter 1.000 Euro zu finden und deckt damit eine deutlich höhere positionierte Produkt-Klasse ab. Beim Single-Thread-Test des Cinebench R15 trennen die Intel Core i7-7Y75 aus dem Dell XPS 13 2-in-1 (9365) und die Intel Core i5-7200U aus dem Acer TravelMate X349 gerade mal 4 Pünktchen (~3 %). Beim Multi-Thread-Test sind es dagegen schon 62 Punkte (~20 %).

Intel Core i7-7Y75

Im Vergleich mit Intel Core i5-7Y57

Interessant wird es beim Vergleich mit der Intel Core i5-7Y57, die ebenfalls zur 4,5-Watt-Klasse (TDP) gehört. Bei einem Preisunterschied von über 100 US-Dollar (281 US-Dollar zu 393 US-Dollar Listenpreis Intel), sollte man von der in Intels Produkthierarchie höher positionierten Intel Core i7-7Y75 deutlich mehr Leistung erwarten dürfen. Beim Dell Latitude 7285 2-in-1 macht der Preisunterschied derzeit sogar ungefähr 300 Euro (250 Euro netto) aus. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass sich die höheren Taktraten in der Praxis kaum bemerkbar machen. Mit einem Leistungsvorsprung von um die 3 % ist der Mehrpreis von gut 30 % (Liste) zumindest aus wirtschaftlicher Sicht kaum vertretbar.

Neben den reinen Leistungsunterschieden zwischen verschiedenen Prozessormodellen, dürfte viele Anwender auch das Verhalten bei länger anhaltenden Berechnungen interessieren. Gerade bei passiv gekühlten Systemen steigt die Wärmeentwicklung im Inneren und an der Gehäuseoberfläche vergleichsweise schnell an und erfordert in der Folge eine Reduzierung der Taktraten.

Das gitlt auch für die Intel Core i7-Y75 im getesteten Dell XPS 13 2-in1 (9365). Bereits nach kurzer Zeit Dauerlast fallen die Ergebnisse rapide. Während sich der Leistungsverlust bei reinen CPU-Aufgaben bei etwa 20 bis 25 Prozent einpendelt (Prozessortakt 2,2 GHz), sorgen gleichzeitig laufende Grafikberechnungen für ein weiteres Absinken um über 70 Prozent. Im Dell XPS 13 2-in-1 arbeitet der Intel Core i7-7Y75 dann nur noch mit 1 GHz.

Den ausführlichen Testbericht zum Dell XPS 13 2-in-1 kann man hier bei Notebooks & Mobiles nachlesen: Dell XPS 13 2-in-1 (9365) im ausführlichen Test.

Intel Core i7-7Y75: Fazit

Intels Core i7-7Y75 ist ein überaus sparsamer Mobilprozessor, der Intel Core i7-7Y75 dank der geringen Verlustleistung in der Regel in passiv gekühlten Systemen zum Einsatz kommt. Hierdurch werden besonders flache und ausdauernde Arbeitsgeräte möglich, die auch noch ganz ohne Lüfterlärm auskommen.

Neben dem zu erwartenden Leistungsunterschied im Vergleich zu den stromhungrigeren 15-Watt-Prozessoren, muss man bei passiv gekühlten Systemen konzeptbedingt zusätzlich auch mit einer geringeren Laststabilität rechnen. Bereits wenige Minuten Dauerlast sorgen in den Tests für spürbare Taktreduzierungen. Das gilt auch für Intels Core i7-7Y75 im Dell XPS 13 2-in-1 (9365), der in solchen Situationen teils erhebliche Leistungseinbußen erleiden muss.

Während man als Interessent eines besonders kompakten aber dennoch ausdauernden und leisen Arbeitsgeräts oftmals bereit ist diese Leistungsnachteile in Kauf zu nehmen, enttäuscht die kaum spürbare Mehrleistung im Vergleich zur Intel-Core-i5-7Y57-CPU. Mit diesem Prozessor ausgestattete Modellvarianten sind kaum langsamer und bei sonst vergleichbarer Ausstattung meist deutlich günstiger zu haben.

Tobias Winkler

Neben zahlreichen Artikeln, die ich seit 2009 für Notebookjournal, PRAD und Notebookcheck verfasst habe, setze ich nun beim Projekt Notebooks & Mobiles meine eigenen Vorstellungen von einer Testplattform um. Ich habe Spaß am Schreiben, an mobiler Technik und allem was dazugehört.

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