Lenovo ThinkPad P72 (Quadro P4200) im Test

Arbeitstier. Das Lenovo ThinkPad P72 ist eine ausgewachsene mobile Workstation im 17-Zoll-Format. Hier gibt es Leistung, Schnittstellen und Ausstattungsmöglichkeiten satt.

Mobile Workstations "sind besonders leistungsstark ausgelegte Arbeitsgeräte im Notebook-Format. Die hier anvisierte Kundschaft zeigt sich regelmäßig überaus anspruchsvoll. Lange Garantiezeiten, bestmögliche Zuverlässigkeit, professionelle Zertifizierungen, besonders robust ausgelegte Gehäuse und weitreichende Service- und Supportoptionen gehören hier einfach zum guten Ton. Die in Architekturbüros, Entwicklungsabteilungen oder Forschungsinstituten eingesetzten Rechner müssen einfach funktionieren und sollten möglichst geringe Ausfallzeiten aufweisen.

Lenovo ThinkPad P72

Das Lenovo ThinkPad P72 spielt in dieser Königsklasse gewohnt routiniert auf und kann von einer langen ThinkPad-Tradition profitieren. Das 17 Zoll große Notebook kommt im Vergleich zu manch anderem Workstation- oder Gaming-Konkurrenten noch recht schlank daher, kann aber mit einer Vielzahl möglicher Komponenten bestückt werden.

Der Einstieg gelingt im Lenovo Online-Shop derzeit mit knapp 2.000 Euro. Dafür erhält der Kunde im Wesentlichen einen Intel Core i7-8750H, eine professionelle Nvidia-Quadro-P600-Grafik, ein 256-GB-Solid-State-Drive, 8 GB RAM und ein FullHD-IPS-Display.

Das Testgerät ist im Gegensatz dazu deutlich leistungsstärker ausgestattet, kostet mit knapp 4.300 Euro aber auch schon mehr als das Doppelte. Hier findet man schließlich einen Intel Xeon E-2176M, eine professionelle Nvidia Quadro P4200, 32 GB RAM und ein Solid State Drive mit 512 GB Kapazität.

Wer die Ausstattungsliste des Lenovo ThinkPad P72 noch weiter ausreizt, schafft es problemlos an der 10.000-Euro-Marke anzuklopfen.

 

Lenovo ThinkPad P72: Auszug der technischen Daten
Model Lenovo ThinkPad P72
Preis ca. 4.300 Euro Lenovo Online Shop
Farbe Dunkelgrau
Prozessor Intel Xeon E-2176M, 6 Kerne (12 Threads), 2,7 GHz – 4,4 GHz, 12 MB Cache, 45 Watt TDP
Grafik Nvidia Quadro P4200 (8 GB GDDR5, 256 bit) & Intel UHD Graphics P630
Arbeitsspeicher 32 GB DDR4-2666-RAM, Single-Channel, 3 Steckplätze frei
Massenspeicher Lenovo, M.2-PCIe-SSD mit 512 GB, gesteckt
Display 15,6-Zoll-IPS-Display, Auflösung: 1.920 x 1.080 Bildpunkte, matt, 16:9, 141 ppi, LEN4121, LP173WF4-SPF7
Betriebssystem & Software Windows 10 Professional for Workstations 64 bit
BIOS-Version N2CET41W (1.24)
Anschlüsse & Erweiterung 2 x Thunderbolt 3 (Typ C, DisplayPort, 40 Gbit/s), 4 x USB 3.1 Gen.1 Typ A (5 Gbit/s),  1 x 3,5-mm-Klinke Audio in/out, SDXC-Speicherkarten-Lesegerät, HDMI 2.0, 1 x Mini-DisplayPort 1.4
Kommunikation Intel Dual Band Wireless-AC 9560 2 x 2 Intel vPro, Bluetooth 5.0, Dual-Array-Mikrofon, HD-720p-Webcam/ Inrarotkamera, Gigabit-Ethernet
Audio Intel Cannon Lake-H/S – High Definition Audio Controller, 2 Stereo-Lautsprecher
Eingabegeräte Chiclet-Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung (2-stufig), Touchpad, Trackpoint
Sicherheit Bios- und Systempasswörter, dTPM 2.0, Kensington-Kabel-Schloss-Vorbereitung, Fingerabdruck-Lesegerät, Infrarotkamera (Gesichtserkennung, Windows Hello)
Batterie & Stromversorgung 99-Wh-Lithium-Ionen-Akku (intern), 230-Watt-Netzteil
Zubehör
Abmessungen & Gewicht 416 (B) x 281 (T) x 31 (H) mm, Testgewicht 3,35 kg & Netzteil 960 g
Herstellergarantie 3 Jahre Herstellergarantie mit Vor-Ort-Service
Leihsteller Lenovo Deutschland
Informationen zum Testgerät Produktseite, Benutzerhandbuch, Hardware Maintenance Manual, PSREF
Lenovo ThinkPad P72: Garantie

Wie für diese Geräteklasse üblich, kommt das Lenovo ThinkPad standardmäßig mit einer dreijährigen Herstellergarantie. Ein Vor-Ort-Service ist bereits enthalten. Die Aufpreise für mögliche Garantie- und Service-Erweiterungen halten sich angesichts der Produktpositionierung erfreulich zurück. Eine Verlängerung auf 5 Jahre Vor-Ort-Service ist bereits für 259 Euro zu haben und eine Erweiterung auf 5 Jahre Premier Support (priorisierte Abarbeitung am nächsten Arbeitsstag) fällt mit 532 Euro ebenfalls moderat aus.

Lenovo ThinkPad P72: Gehäuse

Das Gehäuse des Lenovo ThinkPad P72 kommt im typischen ThinkPad-Outfit. Dunkles Business-Grau gepaart mit praxisorientiert zurückhaltender Gestaltung, dürfte vielen Anwendern im professionellen Bereich sehr entgegenkommen. Obwohl die aktuelle Revision gegenüber dem Lenovo ThinkPad P71 fast 400 Gramm Gewicht verloren hat, gibt es an der Gehäusequalität nichts zu mäkeln. Handballenablage und Tastatur liegen fest auf, die Displayscharniere packen fest zu und die Verwindungssteifigkeit erreicht ein sehr hohes Niveau.

Am Unterboden befinden sich vier üppig dimensionierte Gummifüße, die für einen sicheren Stand sorgen. Die im Inneren verbauten Komponenten können komfortabel über eine große Wartungsklappe am Unterboden erreicht werden. Welche Arbeiten man hier als Anwender durchführen darf und wie man dann am besten vorgeht, ist im ausführlichen Hardware Maintenance Manual zum Lenovo ThinkPad P72 beschrieben. Wie gehabt sollte man sich im Vorfeld von Arbeiten in Eigenregie über die geltenden Garantiebedingungen informieren.

Absolut gesehen erscheint das Testgewicht von 3,35 kg auf den ersten Blick vielleicht etwas hoch, im Vergleich mit dem Dell Precision 7730 (3,17 kg Herstellerangabe) oder dem HP ZBook 17 (ab 3,2 kg Herstellerangabe) sind jedoch kaum Unterschiede festzustellen. Für das 230-Watt-Netzteil muss man allerdings noch mal knapp 1 kg Zusatzgewicht einplanen. Dank der vergleichsweise hervorragenden Akkulaufzeiten, kann man das Netzteil je nach Aufgabenstellung hin und wieder aber gefahrlos zu Hause oder im Büro zurücklassen.

Lenovo ThinkPad P72: Ausstattung

Lenovo ThinkPad P72Die große 17-Zoll-Workstation hat im Vergleich zum Vorgänger nicht nur beim Gewicht abgespeckt, sondern auch so manche Komponente über Bord geworfen. Das eingebaute Colorimeter ist nicht mehr erhältlich, exotische Schnittstellen können nicht mehr per ExpressCard/34-Erweiterungen ergänzt werden und auch das optische Laufwerk wurde aus dem ThinkPad P72 verbannt.

Lenovo hat sich hier auf aktuelle Lenovo ThinkPad P72Schnittstellen konzentriert und liefert mit Thunderbolt 3 und HDMI 2.0 zwei leistungsstarke Anschlussmöglichkeiten aus. Ergänzt werden diese durch vier USB-3.1-Gen.1 im Typ-A-Format, Gigabit-LAN, einen kombinierten Audio-Port (Mikrofon/Lautsprecher) und einen Mini-DisplayPort 1.4.

Lenovo ThinkPad P72Das Speicherkarten-Lesegerät kommt zwar noch im klassischen SD-Format arbeitet im Gegensatz zu dem im Lenovo ThinkPad P71 verbauten Modell nur nach dem UHS-I-Standard und bremst damit schnelle Speicherkarten unnötig aus. Im Test hat Lexars Professional UHS-II 2000x, die für über 200 MB/s gut ist, gerade mal 84 MB/s übertragen.

Keine Blöße geben sich die Thunderbolt-3-Ports, die im Zusammenspiel mit DeLocks Thunderbolt 3 External Portable SSD bis zu 2.511 MB/s übertragen haben. Per USB 3.1 Gen.1 sind um die 450 MB/s möglich.

Schnittstellenperformance
Lenovo ThinkPad P72 Transferraten in MB/s
Speicherkarten-Lesegerät, Lexar Professional UHS-II 2000x (SDXC 128 GB) 84 Lesen/ 66 Schreiben
USB 3.1 Gen. 1 Typ C, Samsung Portable SSD T3 (250 GB) 444Lesen/ 454 Schreiben
USB 3.1 Gen. 2 Typ C, Sandisk Extreme 900 (480 GB) 681 Lesen/ 741 Schreiben
Thunderbolt 3, DeLock TB3 External Portable SSD (480 GB) 2.511 Lesen/ 1.472 Schreiben
Ansteuerung Viewsonic VP 2780-4k 3.840 x 2.160 @ 60 Hz ja
Latenzen: Testlaufzeit 28 Minuten (Funk, Netzwerk an) 665 µs
Maximale Lautstärke Audio (Pink Noise Datei) 72,7 dB(A)
Subjektive Audioqualität Höhenlastig, flach, mäßige Mitten & Bässe, minimale Verzerrung bei max. Lautstärke
Maximale unterbrechungsfreie Bluetooth-Reichweite mit JBL Flip 4 20 m
Erreichbarkeit BIOS Enter => F1
Sicherheit

Die Sicherheitsausstattung fällt beim Lenovo ThinkPad P72 wie sich das für ein gelungenes Business-Notebook auch gehört sehr umfangreich aus. Ein diskretes Trusted Platform Modul, ein Fingerabdruck-Lesegerät, ein Solid State Drive mit Unterstützung des Opal-2.0-Standards und eine Gesichtserkennung per Infrarotkamera ergänzen die üblichen BIOS- und System-Kennwortsicherungen. Ein Smartcard-Lesegerät und NFC sind ebenfalls verfügbar, beim Testgerät aber nicht integriert.

Audio

Die im Testgerät integrierten Lautsprecher reichen für weniger anspruchsvolle Basisaufgaben aus, erreichen aber qualitativ und lautstärketechnisch schnell ihre Grenzen. Die Maximal-Lautstärke fällt mit maximal 72,7 dB(A) recht bescheiden aus und tendiert in diesem Bereich zum Verzerren. Das verbessert die eh schon höhenlastige Grundabstimmung mit wenig Volumen und mäßigen Mitten und Bässen nicht.

Externe Lautsprecherlösungen können zum Beispiel per USB, Bluetooth oder 3,5-mm-Klinke angebunden werden. Das sorgt für eine hörbare Qualitätssteigerung.

Für das Lösen von Echtzeit-Audioaufgaben bringt das Testgerät sehr gute Voraussetzungen mit. Das Tool LatencyMon zeigt nach 28 Minuten Testlaufzeit Latenzen von maximal 665 µs an. Das liegt weit unterhalb der kritischen Grenze von 1.000 µs, sodass man hier keine Aussetzer, Synchronisationsfehler oder Knackgeräusche befürchten muss.

Lenovo ThinkPad P72: Eingabegeräte
Tastatur

Die Tastatur des Lenovo ThinkPad P72 verfügt in weiten Teilen über normal große Tasten im 19-mm-Raster. Das Gehäuse bietet genügend Platz, um problemlos einen separaten Nummernblock unterbringen zu können. Das nutzt vor allem Anwendern, die mit langen Zahlenreihen arbeiten müssen, rückt die Haupttastatur aber auch asymmetrisch nach Links. Mit mittlerem Hub, gut definiertem Druckpunkt und zurückhaltendem Anschlagsgeräusch ist diese Eingabe von den Eigenschaften her uneingeschränkt vielschreibertauglich.

Die Belegung der traditionell vertauschten FN- und Strg-Tasten kann im BIOS oder per Lenovo Vantage Tool geändert werden. Erfreulich: Lenovo bleibt seiner Linie treu und versucht nicht die Pfeiltasten in eine Zeile zu quetschen.

Die im Testgerät integrierte Tastaturbeleuchtung verfügt über zwei Helligkeitsstufen, kann aber auch ganz ausgeschaltet werden. Die Tastaurbeleuchtung gehört beim Lenovo ThinkPad P72 nicht zwingend zum Lieferumfang. Vorkonfigurierte Modellvarianten ohne Tastaturbeleuchtung sind daher denkbar.

Touchpad, Trackpoint

Das Touchpad verfügt über eine Eingabefläche von 100 x 60 mm und bietet damit angenehme Ausmaße für Mehrfingergesten. Die Gleiteigenschaften gefallen und die Reaktionsfreudigkeit zeigt sich sehr gut. Wie der sehr gut funktionierende Trackpoint verfügt auch das Touchpad über separate Maustasten, die tadellos reagieren.

Displays mit Finger- oder Stiftbedienung sind für das Lenovo ThinkPad P72 nicht vorgesehen.

Lenovo ThinkPad P72: Display

Das Lenovo ThinkPad P72 ist mit zwei verschiedenen Displays erhältlich die über eine matte Oberfläche verfügen. Der im Testgerät verbaute FullHD-IPS-Bildschirm (1.920 x 1.080 Bildpunkte) soll eine maximale Helligkeit von 300 cd/m² erreichen, 72 % des NTSC-Farbraums abdecken und einen Kontrast von 800:1 abliefern.

Alternativ bietet Lenovo noch ein 4k-UHD-IPS-Display (3.840 x 2.160 Bildpunkte) das eine Helligkeit von 400 cd/m², 100 % des AdobeRGB-Farbraums und einen Kontrast von 1.000:1 bieten soll. Bildschirme mit Digitizer- oder Touchfunktion hat Lenovo nicht im Programm.

Helligkeit & Kontrast

Das im Testgerät verbaute FullHD-IPS-Panel von LG-Philips erreicht eine maximale Helligkeit von 355 cd/m². Diese fällt zu den Ecken hin auf bis zu 317 cd/m² ab, was zu einer Ausleuchtung von guten 89 % führt. Beim Schwarzbild sind einige Aufhellungen an den Displayrändern zu erkennen.

Die Helligkeit lässt sich wie gewohnt über die 11 vordefinierten Windows-Stufen oder in den Display-Einstellungen prozentgenau regulieren. Helligkeitsstufe 7 liefert zum Beispiel 148 cd/m² und Helligkeitsstufe 8 190 cd/m².

Der gemessene Schwarzwert beträgt 0,277 und sorgt für einen guten Kontrast von 1.281:1.

Lenovo ThinkPad P72

Farbraum & Farbgenauigkeit

Die Gesamtheit der darstellbaren Farben fällt zwar insgesamt überdurchschnittlich hoch aus, da der Grün-Gelb- und der Magenta-Bereich zu Lasten des Orange-Rot- und Blau-Cyan-Bereichs überrepräsentiert sind, reicht es nur für eine sRGB-Farbraum-Abdeckung von 82,74 Prozent.

Die Farbgenauigkeit genügt auch nach einer Profilierung nicht für professionelle Aufgaben im Grafik-, Foto- oder Videobereich. Das durchschnittliche DeltaE 2000 von 3,5 und das maximale DeltaE 2000 von 8,7 weichen in zu vielen Fällen zu stark von den Zielwerten ab. Mit einer Profilierung können aber zumindest der im Auslieferungszustand auftretende Rotstich neutralisiert und die Graustufen- und Farbwiedergabe optimiert werden. Insgesamt liefert das Display eine subjektiv natürliche Darstellung ab.

Displaymessungen im Überblick
Display – Lenovo ThinkPad P72 15,6-Zoll-IPS-Display, matt, 16:9, LEN4121, LP173WF4-SPF7
Entspiegelung matte Oberfläche
Eingabemöglichkeiten
Auflösung 1.920 x 1.080 Bildpunkte, 141 ppi
minimale Helligkeit 3,2 cd/m²
ca. 150 cd/m²  Helligkeitsstufe 7 148 cd/m²
ca. 200 cd/m²  Helligkeitsstufe 8 190 cd/m²
maximale Helligkeit 355 cd/m²
maximale Helligkeit Displaymitte/ Akku/ profiliert 355 cd/m²// 355 cd/m²// 352 cd/m²
Helligkeitsstufen Displaymitte 3,2-16-30-44-58-83-111-148-190-264-355 (in cd/m²)
Schwarzwert Displaymitte (profiliert) 0,277 cd/m² (0,237 cd/m²)
Ausleuchtung 89 %
sRGB-Farbraumabdeckung 82 %
AdobeRGB-Farbraum
P3-Farbraum
Kontrast Displaymitte (profiliert) 1.281:1 (1.485:1)
mittleres DeltaE 2000 (profiliert) 4,1 (3,5)
maximales DeltaE 2000 (profiliert) 10,1 (8,7)
Helligkeitsregulierung durch Pulsweitenmodulation (PWM) Kein Einsatz von PWM feststellbar
Displaybesonderheiten Homogenes Schwarzbild mit erkennbaren Aufhellungen an den Displayrändern
Das Display wurde mit Portrait Displays Spectracal Calman Software vermessen und ausgewertet. Ausführlicher Artikel zu Calmans Farbanalyse-Software.  Messgerät: Spektralfotometer x-rite i1 Basic Pro 2.

Tobias Winkler

Neben zahlreichen Artikeln, die ich seit 2009 für Notebookjournal, PRAD und Notebookcheck verfasst habe, setze ich nun beim Projekt Notebooks & Mobiles meine eigenen Vorstellungen von einer Testplattform um. Ich habe Spaß am Schreiben, an mobiler Technik und allem was dazugehört.