Sony Xperia X im Test

Xplacement. Das Sony Xperia X ist ein gutes Smartphone, das trotz seiner ambitionierten Preisgestaltung allerdings nicht in der ersten Liga mitspielen kann.

Sonys Xperia-Smartphones der Z-Serie waren schon immer etwas Besonderes. Mit hoher Leistungsfähigkeit, eigenem User Interface, wasserdichtem Gehäuse, sehr guter Verarbeitungsqualität und guten Kameramodulen haben die Z-Modelle willkommene Eigenschaften mitgebracht, um sich von so manchem Konkurrenten wohlwollend abzusetzen. Das Xperia X tritt in Deutschland nun die Nachfolge dieser Erfolgsreihe an und bricht gleich mit so mancher Tradition.

Sony Xperia X

Das goldfarbene Testgerät (lime gold) verfügt über ein 5-Zoll-FullHD-Display, ein Qualcomm Snapdragon 650 SoC mit Adreno 510 Grafik, 3 GB LPDDR3 RAM, 32 GB internen Flash-Speicher und eine 23 MP-Hauptkamera. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 599 Euro, die Straßenpreise beginnen derzeit bei knapp 500 Euro. Als Alternativen könnten zum Beispiel in Betracht kommen:

Model Sony Xperia X (F5121)
Preis UVP 599 Euro, Straßenpreise ab ca. 500 Euro
Prozessor Qualcomm Snapdragon 650, 6 Kerne, 4 x 1,4 GHz, 2 x 1,8 GHz (64 bit)
Grafik Adreno 510
Arbeitsspeicher 3 GB LPDDR3
Massenspeicher 32 GB/ 20,2 GB nutzbar + MicroSD-Karte
Display 1.080 x 1.920 Pixel, IPS, 441 ppi
Betiebssystem & Software Android 6.0.1, Xperia UI
Anschlüsse & Erweiterung MicroUSB 2.0,
3,5-mm-Klinke,
Nano-SIM, Single (Dual-SIM-Variante (F5122) wird derzeit offiziell in Europa nicht vertrieben)
FM-Radio
NFC
Kommunikation Dualband-WLAN 802.11a/b/g/ac, LTE CAT 6 150 MBit/s, Bluetooth 4.2, GPS, GLONASS
Kameras 23 MP (FullHD Videos) + 13 MP Front
Sensoren Beschleunigung,
Näherung,
Umgebungslicht,
Kompass,
Barometer
Fingerabdruckscanner
Batterie & Stromversorgung 11,2 Wh, 2620 mAh, 4,265 V, 7,5-Watt-Netzteil
Akkulaufzeiten (lt. Hersteller) Bis zu 2 Tage
Abmessungen & Gewicht 143 (H) x 69 (B) x 7,7 mm (T), 152 g
Herstellergarantie 2 Jahre
Herstellerseite http://www.sonymobile.com/de/products/phones/xperia-x/?gclid=CKrbuIv66M0CFRBmGwodeWML0Q#specifications
Sony Xperia X: Gehäuse

Das sehr gut verarbeitete Gehäuse besteht aus einer gläsernen Front und einer metallischen Rückseite. Der komplett umlaufende Rahmen ist sauber eingepasst und weist sehr schmale und gleichmäßige Spaltmaße auf. Die Stabilität gefällt sehr gut und lässt sich keine Schwachstellen entlocken. Das etwa 150 g schwere und 7,7 mm dünne Smartphone liegt insgesamt gut in der Hand und vermittelt etwas mehr Grip als zum Beispiel Apples iPhone 6/ 6s.

Farblich hat man die Wahl zwischen Lime-Gold, Rosé-Gold, Graphit-Schwarz und Weiß. Sony betont hier das ganzheitliche Konzept, das eine durchgängig angepasste Farbgebung vom Gehäuse bis hin zur Software umfasst. Eine Wasserdichtigkeit nach dem IP68-Standard ist im Gegensatz zum Sony Xperia Z5 im Datenblatt nicht aufgeführt.

Sony Xperia X: Ausstattung

Neben dem obligatorischen SIM-Schacht und einem Headset-Anschluss an der Oberseite verfügt das Sony Xperia X über einen im Ein-/ Ausschalter integrierten Fingerabdrucksensor. Durchaus differenziert werden Nutzer die für die Lautstärkeregelung unpraktisch positionierte Lautstärkewippe betrachten. Beim Telefonieren oder Musikhören ist das nach unten Greifen doch arg gewöhnungsbedürftig. Sinn macht dieses Konstrukt dann doch noch im Kameramodus, wo es neben dem mechanischen Auslöser die Zoom-Funktion übernimmt und somit einen Komfortgewinn darstellt.

Sony Xperia X

Ebenfalls zweischneidig zeigt sich die kombinierte Schublade für die SIM- und die SD-Karte. Da hier bei einem Speicherwechsel auch zwangsläufig die SIM-Karte entnommen wird, dürfte man eingelegte MicroSD-Karten (bis zu 200 GB) eher als dauerhafte Speichererweiterung und weniger als Wechselmedium betrachten. Sobald das System eine Entnahme der SIM-Karte feststellt, ist ein Neustart erforderlich. Die Dual-SIM-Variante F5122 wird es offiziell wahrscheinlich nicht nach Deutschland schaffen. Bei Händlern, die sich auf den Import solcher Modelle spezialisiert haben, ist es aber auch jetzt schon erhältlich.

Sony Xperia X

Das integrierte UKW-Radio ist für so manchen Anwender sicherlich ein gewinnbringendes Feature, das allerdings auf das Headset als Empfangsantenne angewiesen ist. Ansonsten verfügt das Sony Xperia X über alle derzeit angesagten Schnittstellen wie 4G LTE Cat.6, Bluetooth 4.2, Dualband-AC-WLAN und NFC. Lediglich ein verdrehsicherer USB Typ-C-Anschluss fehlt. Hier muss man mit dem älteren MicroUSB 2.0 klarkommen, der aber zumindest über eine OTG-Funktionalität verfügt. Für Ortungsaufgaben stehen GPS und GLONASS zur Verfügung.

Sony Xperia X

Sony Xperia X: Kamera

Als besonderes Highlight bewirbt Sony die beiden extrem hochauflösenden Kameramodule. Auf der Frontseite werden 13 Megapixel geboten und auf der Rückseite sogar 23 Megapixel. Beide Kameras machen für Smartphone-Verhältnisse gute Aufnahmen. Bei günstigen Lichtverhältnissen zeigen die Ergebnisse eine gute Schärfe, recht neutrale Farben und eine hohe Detailgenauigkeit.  Nicht irritieren lassen sollte man sich von der Darstellung des Displays. Hier werden Blau- und Rotanteile deutlich überbetont dargestellt.

Die tatsächlichen Aufnahmen/ Bilddateien liefern dagegen eine natürliche Farbwiedergabe. Der Autofokus arbeitet präzise. Wie bei Kompaktkameras üblich kann man den Auslöser zum Scharfstellen halb andrücken, bevor die Aufnahme schließlich ausgelöst wird. Bei weniger guten Lichtbedingungen nimmt die Bildqualität sichtbar ab, schlägt sich im Vergleich zu manchem Konkurrenten aber immer noch gut. Dennoch gehen auch hier Details verloren, das Rauschen nimmt zu und Farben verblassen.

Sony Xperia X

Die Frontkamera wird als besonders geeignete Selfie-Kamera bezeichnet und liefert in der Tat deutlich bessere Ergebnisse ab, als man das von vielen Konkurrenzmodellen gewohnt ist. Hier wirkt sich die Überbetonung von Rotanteilen des Displays noch deutlicher aus als bei der Hauptkamera, da Hauttöne schnell unnatürlich wirken. Wie gehabt liegt das auch hier nur an der satten Farbdarstellung des Triluminos-Bildschirms, die eigentlichen Aufnahmen zeigen eine neutrale Farbabstimmung. Schärfe und Detailgenauigkeit fallen ebenfalls gut aus, reduzieren sich jedoch je schlechter die Lichtverhältnisse werden.

Sony Xperia X: Audio

Die im Xperia X verbauten Lautsprecher taugen, wie bei vielen anderen Smartphones auch, nur für geringe Ansprüche. Die Soundcharakteristik ist stark höhenlastig und bietet kaum Mitten und Bässe. Die Maximallautstärke ist gering und beginnt zudem im letzten Viertel der Skala zu verzerren. Besser ist es um den Sound im Zusammenspiel mit dem mitgelieferten Headset bestellt. Dieses gibt Musik hörbar ausgeglichener und stimmiger wieder. Für Freunde dominanter Bässe dürften die Ohrhörer aber ebenfalls nur eine Notlösung darstellen. Beim Telefonieren ist die Sprachverständlichkeit dagegen sehr gut, was letztlich auch das Hauptaugenmerk Sonys bei der Abstimmung des Headsets gewesen sein dürfte.

Sony Xperia X

Sony Xperia X: Bedienoberfläche

Die Bedienoberfläche hat Sony mit seinem Xperia UI etwas angepasst und kommt mit einer eigenen Interpretation von Android 6.0.1 Marshmallow. Abgesehen vom stylishen Sperrbildschirm fallen die Unterschiede jedoch recht gering aus und beschränken sich hauptsächlich auf optische Verfeinerungen. Die Bedienung ist intuitiv umgesetzt und selbst Umsteiger von anderen Systemen sollten hier keine Wechselprobleme bekommen. Auch die Performance stimmt. Beim Wischen durch die Oberflächen ruckelt nichts und Apps öffnen fix.

Sony Xperia X: Display

Das Sony Triluminos FullHD-Display bietet 1.920 x 1.080 Bildpunkte auf einer Diagonalen von 5 Zoll und stellt Inhalte mit einer Punktdichte von 441 ppi sehr fein und scharf dar. Die maximal gemessene Helligkeit erreicht 570 cd/m2 und steht einem Schwarzwert von 0,491 cd/m2 gegenüber. Beides zusammen ergibt einen guten Kontrast von 1.160:1, der für eine ordentliche Schwarzwiedergabe sorgt.

Sony Xperia X

Das vom Bildschirm darstellbare Farbspektrum ist sehr groß und deckt laut der Calman-Analyse etwa 92 % des AdobeRGB-Farbraums ab. Die Farben wirken kräftig und satt, weisen aber eine relativ geringe Farbtreue auf. Wie bereits im Kamera-Kapitel angesprochen wirkt sich das vor allem bei der Begutachtung von Bildern nachteilig aus.

Der Weißpunkt liegt deutlich außerhalb des Zielkorridors im kühlen Blaubereich, verhindert aber nicht, dass Rottöne überbetont werden. Apples iPhones sind hier zwar akurater abgestimmt, stellen aber auch deutlich weniger Farben dar. Sony bietet einerseits die Möglichkeit den Weißabgleich manuell per Schieberegler durchzuführen, vordefinierte Profile hätten hier andererseits aber sicherlich für einen nicht unerheblichen Mehrwert gesorgt.

Sony Xperia X

Hinsichtlich der Blickwinkelstabilität gibt es beim Testgerät nichts zu meckern. Die Bildinhalte sind immer sehr gut erkennbar. Die Farben bleiben auch bei flachen Einblickwinkeln stets stabil. Lediglich Helligkeit und Kontrast verändern sich etwas, wenn man das Display um die eigene Achse neigt.

Sony Xperia X

Sony Xperia X: Leistung

Die Basisaufgaben wie Telefonieren, Nachrichten schreiben, Musik hören, Filme schauen und im Internet surfen sind leistungstechnisch für das Sony Xperia X natürlich absolut keine Herausforderung. Auch getestete Spiele wie Need for Speed No Limits, Star Wars Commander oder Angry Birds stellen das Testgerät vor keine Probleme.

Testergebnisse Performance
Sony Xperia X
Prozessor Single-Core Multi-Core
Geekbench 3.0  575 Punkte 2659 Punkte
System
PCMark for Android 4430 Punkte
Passmark Performance Test 7664 Punkte
Massenspeicher Lesen Schreiben
A1 SD 130 MB/s 115 MB/s
Grafik
3D Mark Ice Storm Unlimited 17334 Punkte
Internet
Octane V2 Google Chrome 8563 Punkte

Bei den Benchmarks sieht es im Vergleich zur Konkurrenz allerdings nicht so gut aus. Das ist grundsätzlich kein Problem, da alle getesteten Aufgaben dennoch gut zu bewältigen sind. Nimmt man jedoch die Preisgestaltung als Anhalt und vergleicht mit der Konkurrenz, so muss man beim Sony Xperia X doch den einen oder anderen Einschnitt hinnehmen. Das kann sich auf zukünftige Aufgaben und Anforderungen auswirken, insbesondere dann, wenn man Smartphones eher langfristig nutzt und anschafft.

Sony Xperia X

Beim 3D Mark Ice Storm Unlimited werden beispielsweise 17.334 Punkte erreicht und beim PCMark for Android schafft das Testgerät 4.430 Punkte. Da spielt das Google Nexus 5x, das über 200 Euro günstiger zu haben ist nicht minder leistungsstark auf. Das preislich ähnlich positionierte Apple iPhone SE weist zwar einen erheblich kleineren Formfaktor auf, überflügelt aber das Sony Xperia X in Performancefragen eindrucksvoll.

Sony Xperia X

Sony Xperia X: Emissionen

Bereits nach wenigen Spielminuten Need for Speed erwärmt sich die Metallrückseite spürbar und erreicht neben der Hauptkamera den Höchstwert von 39,4 °C. Diese Gehäuseerwärmung ist von da an etwa gleichbleibend und steigt auch nach einer Stunde Stresstest gerade mal auf 42,7 °C. Von einem kritischen Bereich und möglichen Praxiseinschränkungen bleibt das Sony Xperia X somit weit entfernt.

Sony Xperia X: Akkulaufzeiten

Nach drei Tagen Standby ohne Nutzung zeigt der Akku noch 79 % Akkukapazität an. Mit gelegentlichen Telefonaten und sporadischen Nachrichtenchecks, sind die von Sony versprochenen 2 Tage Akkulaufzeit sicherlich auch ohne Stamina-Modus gut möglich. Entscheidend für den Energieverbrauch sind letztlich die eingestellte Displayhelligkeit und die Häufigkeit der genutzten Funkverbindungen. Im Dauerbetrieb reduziert sich die Netzunabhängigkeit je nach Verwendung teils erheblich.

Sony Xperia X

Sony Xperia X Akkulaufzeit
Standby (Display aus, Funk an, Restkapazität 79 %) 72:07 h
Büro (PCMark for Android Battery Test, 150 cd/m²) 7:31 h
WLAN-TV-Streaming (200 cd/m²) 8:29 h
Stresstest (maximale Displayhelligkeit) 3:30 h
11,2-Wh-Akku mit 2.620 mAh bei 4,265 V mit 7,5-Watt-Netzteil

Beim Battery-Test PCMark for Android erreicht das Testgerät 07:31 Stunden und bei meinem WLAN-TV-Streaming-Test 08:29 Stunden Akkulaufzeit. Ruft man dauerhaft die Maximalperformance ab, so leert sich der Akku sogar innerhalb von 3:30 Stunden. Sind die 11,2 Wh Akkuenergie einmal aufgebraucht, so profitiert das Sony Xperia X von der integrierten Schnellladefunktion. Bereits nach 30 Minuten Ladezeit hat das 7,5-Watt-Netzteil schon wieder für einen Füllstand von 60 % gesorgt. Nach hinten raus dauert das vollständige Aufladen dann doch gut 2 Stunden. Von 86 % bis 100 % werden zum Beispiel 50 Minuten benötigt.

Sony Xperia X

Sony Xperia X: Fazit

Das Sony Xperia X überzeugt als gelungenes Mittelklasse-Smartphone. Sony Xperia XNicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine gute Kamera, ein schickes Gehäuse, ordentliche Akkulaufzeiten und ein scharfes Display sorgen für eine ansprechende Basisausstattung. Leider hat Sony bei der Produktpositionierung und der Preisgestaltung hierzulande kein glückliches Händchen gezeigt. Die Leistungsausstattung entspricht eher einem Einstiegsmodell als einem 600-Euro-Smartphone. Zudem muss man beim designierten Nachfolger auf eine Wasserdichtigkeit wie sie die Z-Serie bietet verzichten.

Sony Xperia XSchade. Unter dem Strich kann der Vorgänger Sony Xperia Z5 vieles besser und ist zudem preislich attraktiver aufgestellt. Schaut man sich auch bei der Konkurrenz um, so dürften einem schnell das Google Nexus 5X oder das Huawei P9 ins Auge springen.

Das Sony Xperia X ist zum Beispiel bei Amazon erhältlich: Sony Xperia X Smartphone (5 Zoll (12,7 cm) Touch-Display, 32GB interner Speicher, Android 6.0) schwarz (Affiliate)

Tobias Winkler

Neben zahlreichen Artikeln, die ich seit 2009 für Notebookjournal, PRAD und Notebookcheck verfasst habe, setze ich nun beim Projekt Notebooks & Mobiles meine eigenen Vorstellungen von einer Testplattform um. Ich habe Spaß am Schreiben, an mobiler Technik und allem was dazugehört.

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