Lenovo ThinkVision X1 UHD-Display im Test

Nicht nur für ThinkPad-User. Das Lenovo ThinkVision X1 ist ein gut ausgestattetes 27-Zoll-Display mit guter Bildqualität und pfiffigen Details.

Ein Bildschirm muss nicht immer nur ein Bildschirm sein. Das "könnte sich Lenovo bei der Entwicklung des Lenovo ThinkVision X1 gedacht haben. Zwar kommt es gerade im Desktop-Bereich immer noch in erster Linie auf die Bildqualität an, wenn man dazu jedoch noch weitere wichtige Funktionen geboten bekommt, könnte das nicht nur Arbeitsabläufe vereinfachen, sondern gleichzeitig auch für deutlich mehr Platz auf dem Schreibtisch sorgen. Eine Win-Win-Situation also?

Lenovo ThinkVision X1

Lenovos ThinkVision X1 kommt diesem Streben auf dem Datenblatt schon sehr nah. Mit soliden Qualitätsmerkmalen im Darstellungsbereich, einem integrierten USB-Hub, eingebauten Lautsprechern und einer sehr gelenkigen Webcam bietet sich diese Bildschirmlösung geradezu als multifunktionale Ergänzung für den Arbeitsplatz oder das Heimbüro an.

Lenovo ThinkVision X1: Auszug der technischen Daten (60E2GAT1EU)
Model Lenovo ThinkVision X1 
EAN/Herstellernummer EAN 0190404097871
Preis 909,16 Euro Lenovo Online Shop, Straßenpreise ab etwa 700 Euro
Farbe Raben-Schwarz
Display 27-Zoll-IPS-Display Auflösung: 3.840 x 2.160 Bildpunkte, halbglänzend mit Entspiegelungsschicht, 16:9, 163 ppi
Anschlüsse & Erweiterung 1 x USB 3.1 Gen.2 (Typ C, DisplayPort, Stromversorgung, 10 Gbit/s), 4 x USB 3.1 Gen.1 Typ A (5 Gbit/s),  1 x 3,5-mm-Klinke Audio in/out, HDMI 1.4, DisplayPort 1.2
Kommunikation FullHD-Webcam mit ThinkShutter Sichtschutz, Schwenkarm, Arbeitsleuchte, Dokumentenscanner
Audio  2 x 3-Watt-Stereo-Lautsprecher
Sicherheit Kabel-Schloss-Vorbereitung
Stromversorgung externes 135-Watt-Netzteil
Zubehör HDMI-Kabel (1,8 m), DisplayPort-Kabel (1,8 m), USB-Typ-C-Kabel (1,8 m), USB-Typ-C-auf-USB-Typ-A-Kabel (1,8 m), Mini-DisplayPort-auf-DisplayPort-Adapter
Abmessungen & Gewicht 615 (B) x 270 (T) x 495 (H) mm mit Standfuß, Testgewicht 6,22 kg & Netzteil 660 g
Herstellergarantie 3 Jahre Herstellergarantie mit Pickup-and-Return-Service
Leihsteller Lenovo Deutschland
Informationen zum Testgerät Produktseite, Handbuch
Lenovo ThinkVision X1: Garantie & Preise

Lenovos ThinkVision X1 gibt es inzwischen in zwei Varianten. Die hier getestete 1. Generation (60E2GAT1EU) kostet im Lenovo Online-Shop 909,16 Euro und ist damit schon fast der Premiumklasse zuzuordnen. Die Straßenpreise bewegen sich derzeit deutlich darunter und beginnen bei knapp 700 Euro. Das Nachfolgemodell der zweiten Generation (61C2GAT1EU) bringt neben leicht veränderten technischen Daten vor allem einen Thunderbolt 3 als Schnittstelle mit. Dieses Modell fällt mit aktuell etwas mehr als 700 Euro (Straßenpreis) nur marginal teurer aus.

Lenovo versieht das ThinkVision-X1-Display mit 3 Jahren Herstellergarantie und bewegt sich damit in einem für diese Preisklasse üblichen Rahmen.

Lenovo ThinkVision X1

Lenovo ThinkVision X1: Gehäuse

Das komplett aus Kunststoff gefertigte Bildschirmgehäuse kommt im typischen ThinkPad-Schwarz (Rabenschwarz) und wiegt gerade mal 6,22 kg. Hier gefällt dann auch die für einen 27-Zoll-Bildschirm ausserordentlich schlanke Bauform mit besonders schmalen Rahmen und einer in weiten Teilen extrem flachen Bauweise. Die Technik hat Lenovo im unteren Teil des Bildschirms konzentriert und verwirklicht so im oberen Teil eine besonders dünne Konstruktionsweise. Das hat zwar kleinere negative Folgen für die Verwindungssteifigkeit des Gehäuses, ist für den regulären Einsatz im Desktop-Betrieb am Arbeitsplatz aber unter dem Strich so gut wie gar nicht relevant.

Tatsächlich einschränkende Auswirkungen haben da eher die geringen mechanischen Einstellmöglichkeiten des Displays. Zwar kann man den Neigungswinkel immerhin in einem Verstellbereich von -5 bis 22 Grad variieren, dafür fehlen eine Pivotfunktion und eine Höhenverstellung des Bildschirms gänzlich. Vor allem die fehlende Höhenverstellung könnte bei manchen Anwendern dazu führen keine ergonomische Bildschirmposition zu finden.

Der mitgelieferte Standfuß bringt dank ausreichendem Eigengewicht gute Voraussetzungen für eine stabile Positionierung auf dem Schreibtisch mit. Das Verbindungsstück am Standfuß, das wiederum an der Monitoreinheit eingehakt wird, hat beim Testgerät allerdings nicht bündig abgeschlossen. Dadurch entsteht ein Spalt, es fehlt ein fester Halt und der Bildschirm wackelt bei Berührung etwas. Alternativ kann der Standfuß gleich ganz demontiert werden und offenbart dann die integrierte VESA-Vorbereitung (100 x 100) für eine Wandmontage.

Zusätzlich getrübt wird der Qualitätseindruck durch eine nicht optimale Verarbeitung. Diese ist zwar nicht wirklich schlecht, fällt aber auch nicht unbedingt der Preisklasse angemessen aus. Die Spaltmaße zeigen sich je nach Bauteil etwas ungleichmäßig und am Displayrand sind immer mal wieder unsaubere Kanten spür- und sichtbar. Hier hat man offensichtlich nicht sauber entgratet, was man von den sonstigen Produkten der Think-Familie so sicherlich nicht gewohnt ist.

Lenovo ThinkVision X1: Bedienung

Die Bedienung des OSD erfolgt über schmale Knöpfe am rechten unteren Bildschirmrand. Hier muss man sich wie so oft mit der Handhabung und den Menüebenen erst einmal etwas vertraut machen, um irgendwann schnell zu den gewünschten Einstelloptionen gelangen zu können. Das Handbuch hilft hier etwas weiter, letztlich wird man aber die Taktik Learning-by-doing anwenden.

Lenovo ThinkVision X1

Lenovo ThinkVision X1: Schnittstellen

Während das Lenovo ThinkVision X1 der 2. Generation (61C2GAT1EU) bereits mit Thunderbolt 3 ausgestattet ist, muss das hier getestete Vorgängermodell noch mit einem USB Typ C 3.1 Gen. 2 auskommen. Das hat im ersten Schritt zwar keine negativen Auswirkungen auf die maximale Auflösung von 3.840 x 2.160 Bildpunkten bei 60 Hz, führt aber aufgrund der maximal verfügbaren Datenrate von 10 Gbit/s zu einer Einschränkung, sobald der USB-Hub zum Einsatz kommt.

Hier muss man sich entscheiden, ob man eher hohe Übertragungsraten nach dem USB-3.0-Standard mit einer maximalen Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten oder die UHD-Auflösung mit eingeschränkten Datenraten nach dem USB-2.0-Standard bevorzugt. Je nach Auswahl wird dann auch die Stromversorgung dem jeweiligen Standard angepasst, was für den Betrieb bestimmter Peripheriegeräte von Bedeutung sein könnte. Eine entsprechende Einstellung erfolgt an der linken Gehäuseseite per Knopf.

Im USB-3.0-Modus hat das Testgerät zusammen mit der hier getesteten mobilen Workstation Lenovo ThinkPad P1 sequentielle Transferraten von bis zu 364 MB/s geliefert und im USB-2.0-Modus sind bis zu 42 MB/s möglich.

Für die Bildausgabe verfügt der Bildschirm ansonsten noch über einen HDMI 1.4 und einen DisplayPort 1.2. Beide haben sich im Test alternativ problemlos nutzen lassen. Das Nachfolgemodell der 2. Generation ist anstatt dem HDMI 1.4 bereits mit einem HDMI 2.0 bestückt.

Beim Lieferumfang der Kabel zeigt sich Lenovo recht spendabel. Im Paket findet man nahezu alles Notwendige:

  • HDMI-Kabel (1,8 m)
  • DisplayPort-Kabel (1,8 m)
  • USB-Typ-C-Kabel (1,8 m)
  • USB-Typ-C-auf-USB-Typ-A-Kabel (1,8 m)
  • Mini-DisplayPort-auf-DisplayPort-Adapter
Lenovo ThinkVision X1: Kamera & Lautsprecher

Neben dem willkommenen USB-Hub, hat das Lenovo ThinkVision X1 noch zwei 3-Watt-Lautsprecher und eine FullHD-Kamera zu bieten. Die Lautsprecher reichen für viele Anwendungsszenarien im Büro gut aus, können aber eine höhenlastige Abstimmung nicht verbergen. Stehen dagegen audiophile Aufgaben mit höherem Anspruch oder actionlastige Film- und Spieletitel an, so wird man auch weiterhin eher auf externe Lösungen zurückgreifen.

Die in einem separaten Kameraarm untergebrachte FullHD-Webcam eignet sich nicht nur für Videochats, sondern kann auch zum Abfotografieren von Dokumenten genutzt werden. Hierfür lässt sich der Schwenkarm komfortabel noch vorne kippen, um das jeweilige Schriftgut ablichten zu können. Das ersetzt zwar keinen ausgewachsenen Scanner, zum Digitalisieren von Anschreiben, Rechnungen oder Datenblättern dürfte die Qualität jedoch gut ausreichen.

Ein ebenfalls nettes Gimmick stellt die im Kamerateil integrierte Lampe dar. Diese ist als Arbeitsplatzleuchte einsetzbar und kann ebenfalls über den Schwenkarm in die gewünschte Position gebracht werden. Dank mechanischem ThinkShutter kann die Kameralinse bei Nichtgebrauch abgedeckt werden.

Lenovo ThinkVision X1: Bildqualität

Das im Testgerät eingesetzte Panel ist mit einer mattierten Oberfläche versehen, die nur diffuse Spiegelungen zulässt. Im Vergleich zu den meisten bekannten Notebookdisplays könnte man diese Art der Oberfläche als halbspiegelnd bezeichnen. Sehr angenehm zeigt sich jedenfalls die sehr scharfe Darstellung des mit 163 ppi für ein Desktop-Modell recht fein auflösenden Displays.

Dank IPS-Technologie verfügt der Bildschirm zudem über eine sehr gute Blickwinkelstabilität, die erst bei ungewöhnlichen Einblicken von schräg oben Kontrast-, Farb- und Helligkeitsveränderungen offenbart. Im Praxisbetrieb dürfte das keine Relevanz haben.

Helligkeit & Kontrast

Lenovo verspricht für das ThinkVision X1 eine maximale Helligkeit von 300 cd/m². Diesen Wert verfehlt das Testgerät bei den Messungen mit maximal 279 cd/m² in der Bildschirmmitte deutlich. Zu den Rändern hin fällt die Luminanz sogar noch auf bis zu 239 cd/m² weiter ab. Für den anvisierten Zweck in geschlossenen Räumen dürfte das in vielen Fällen zwar kaum negativ auffallen, sobald jedoch besonders helle Umgebungslichtsituationen vorherrschen, könnte der Arbeitskomfort dennoch darunter leiden.

Die Ausleuchtung des 27-Zoll-Bildschirms erreicht je nach Helligkeitseinstellung 85 % – 86 %. Beim Schwarzbild sind eine schwache Wolkenbildung und schwache Lichthöfe am Displayrand erkennbar. Sichtbar könnte das im Praxisbetrieb vor allem bei Bild- oder Videoszenen bei Nacht sein.

Die Displayhelligkeit lässt sich über das Bildschirm-Menü in Prozentschritten sehr fein einstellen. Den Testergebnissen nach beeinflusst die Helligkeitseinstellung jedoch nicht nur die reine Luminanz, sondern auch die Farbtemperatur. Bei der Voreinstellung von 80 % (229 cd/m²) liegt die Farbtemperatur ziemlich genau im Zielkorridor bei 6.500 Kelvin. Je dunkler man das Display einstellt, desto mehr driftet der Weißpunkt allerdings Richtung Cyan ab und zeigt dann auch einen entsprechenden Blaustich.

Lenovo ThinkVision X1

Ebenfalls von der Helligkeit abhängig ist der gemessene Kontrast. Bei 80 % Helligkeit beträgt dieser 1.106:1, verschlechtert sich bei maximaler Helligkeit aber auf 754:1 und fällt bei 50 % Helligkeit sogar auf 397:1 ab.

Das neuere Modell Lenovo ThinkVision X1 der 2. Generation ist laut Datenblatt zwar mit einer höheren Helligkeit von 350 cd/m² versehen, bietet dafür aber auch einen niedrigeren Kontrast der mit 1.000:1 spezifiziert ist.

Farbraum & Farbgenauigkeit

Bei der Farbdarstelllung ist das Display in der Lage den sRGB-Farbraum mit 99,5 % sehr genau wiedergeben zu können. Der AdobeRGB-Farbraum wird dabei noch zu 65 %, der P3-Farbraum zu 67 % und der NTSC-Farbraum zu 61,4 % abgedeckt. Das reicht für viele Aufgabengebiete gut aus und dürfte damit für so manche professionelle Arbeitsgebiete im Foto-, Video- und Grafikbereich in Frage kommen.

Das gilt auch für die gemessene Farbgenauigkeit, die mit einem maximalen DeltaE 2000 von 3,9 bis 4,6 (je nach Helligkeitseinstellung) in jedem Fall unter dem kritischen Grenzwert von 5 verharrt.

Lenovo ThinkVision X1: Stromverbrauch

Lenovo gibt für den Bildschirm einen Normverbrauch von 40 Watt und einen Maximalverbrauch von 130 Watt an. Dementsprechend üppig hat man auch die Nennleistung des 135-Watt-Netzteils von Delta dimensioniert. Unter welchen Bedingungen Lenovo hier getestet hat, ist zwar nicht bekannt, irgendwelche Stromversorgungsprobleme wird man hier aber ganz sicher nicht erwarten müssen.

Energieverbrauch – Lenovo ThinkVision X1 Leistungsaufnahme
Ausgeschaltet 0,26 Watt
Leerlauf (minimale Displayhelligkeit, Testbildschirm) 13,6 Watt
Leerlauf (50 % Displayhelligkeit, Testbildschirm) 23,1 Watt
Leerlauf (100 % Displayhelligkeit, Testbildschirm) 34,5 Watt
Weißbild (maximale Helligkeit) 37,5 Watt
Schwarzbild (maximale Helligkeit) 32,2 Watt
Unigine Valley (Vollbild, maximale Helligkeit) 33,8 Watt

Im Praxisbetrieb hat das Display selbst mit mehreren angeschlossenen Peripheriegeräten gerade mal so die 40-Watt-Grenze in Augenschein genommen. Im reinen Displaybetrieb verbraucht das Lenovo ThinkVision X1 beim Weißbild 37,5 Watt, im Spielebetrieb 33,8 Watt und beim Schwarzbild 32,2 Watt.

Lenovo ThinkVision X1

Lenovo ThinkVision X1: Fazit

Das Lenovo ThinkVision X1 ist ein gelungener Allrounder Lenovo ThinkVision X1mit guter Bildqualität und praktischer Zusatzausstattung. Webcam, Lautsprecher und USB-Hub können das Peripherieaufkommen auf dem Schreibtisch angenehm entschlacken und einen Beitrag zu optimierten Arbeitsabläufen leisten.

Wie so oft schafft es jedoch auch dieses Modell nicht ohne Kompromisse auszukommen. Die beste Bildqualität erhält man nur in einer bestimmten Helligkeitsstufe, die Transfergeschwindigkeit des USB-Hubs ist bei USB-C-Anbindung von der gewählten Auflösung abhängig und die Verarbeitungsqualität ist vor allem in Relation zur anvisierten Preisklasse im Detail durchaus verbesserungsfähig. Zudem lohnt ein Blick auf den Nachfolger, der mit Thunderbolt 3 bei geringem Aufpreis so manches besser machen könnte.

Ob das Gesamtpaket Lenovo ThinkVision X1 dennoch überzeugt, hängt letztlich von den individuellen Bedürfnissen möglicher Interessenten ab. Die praktischen Details gefallen, haben allerdings auch ihren Preis.

Das Display Lenovo ThinkVision X1 ist zum Beispiel bei Notebooksbilliger erhältlich: notebooksbilliger.de DE (Werbung).

Tobias Winkler

Neben zahlreichen Artikeln, die ich seit 2009 für Notebookjournal, PRAD und Notebookcheck verfasst habe, setze ich nun beim Projekt Notebooks & Mobiles meine eigenen Vorstellungen von einer Testplattform um. Ich habe Spaß am Schreiben, an mobiler Technik und allem was dazugehört.

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